Auf zum Mittelpunkt Lippes

‘Micha, in den Supermarktregalen liegt schon der Weihnachtssüßkram – Du weißt, was das bedeutet?!’ 

Mit diesen Worten schreckt mich mein Freund Alex vom Sofa auf, und ich weiß wohl, was diese Worte bedeuten: wir sollten uns bewegen, damit unsere beiden elfenhaften Körper während der Adventszeit nicht zu elefantenhaften mutieren.

Wir wollen es aber auch nicht gleich übertreiben, gute 2 ½ Stunden vom Lemgoer Spiegelberg bis zum Zentrum Lippes bei der Ortmühle sollen reichen. Zumal es,  wenn auch gemächlich, ständig rund 190 Höhenmeter bergan- und bergab geht.

Als Vorgabe dient der Runenweg (markiert meist mit weißem Kreuz und der Nummer 7 auf schwarzem Hintergrund), er verläuft über rund 75 km von der Porta Westfalica bis zum ‘Kreuzkrug’ in der Gemeinde Schlangen. Dabei passiert die geneigte Wandersfrau/der geneigte Wandersmann die Weser mit der Fähre bei Veltheim, danach Varenholz, Langenholzhausen, Hohenhausen, Bavenhausen, Lemgo, Schloss Brake, den Wiembecker Berg, Horn-Bad Meinberg und die Externsteine.

Wir allerdings starten bei sonnigem und kaltem Herbstwetter in Lemgo und  laufen über das Ostertor und vorbei am Pulverturm entlang der alten Stadtmauer in Richtung der Ölmühle bei Schloss Brake. Zwischendurch  beobachten wir die Bagger beim auskoffern der neuen ‘Mega Flutmulde’ zwischen Langenbrücker Tor und der Pagenhelle – sie soll Lemgo vor künftigen Überschwemmungen schützen. Zwischendurch halten wir immer wieder unter  der golden strahlenden Herbstsonne und fotografieren die vielfältigen Motive, Alex gern mit seinem meterlangen Deppenzepter (Selfie Stick) und seiner 360 Grad Kamera, ich mit der klassischen Fotoausrüstung. Für den uns begleitenden getreuen Drahthaar sehen wir vermutlich beim Knipsen beide aus wie Trottel.

Wir bestaunen noch die weidenden Schafe hinterm Schloss Brake und betreten  über den Bierweg Braker Stadtgebiet. Entlang des Langenkampsbach windet sich der Weg entlang eines Ackers und verträumten kleinen Teichen langsam über die Fahrenbreite und unterhalb der Ostwestfalenstraße durch den Wald hinauf zum Wiembecker Berg. Kurz vor Erreichen des großen Windrades zweigt der Runenweg

ab. Ginge man weiter bis zum Windrad, so hätte man bei klarem Wetter eine fantastische Weitsicht über große Teile des nordwestlichen Lipperlandes.

Da waren wir aber schon oft genug, und ehrlich gesagt hat der Hügel mich heute auch schon ordentlich zum Schwitzen gebracht – also geht’s auf direktem Weg auf Landwirtschafts- und Waldwegen über Oberwiembeck zur Ortmühle. Dort befindet sich auch das gleichnamige Gasthaus, welches für Ausflügler ideal erscheint – so findet sich dort auch eine Elektrotankstelle für Räder und PKW’s.

Hier soll der geographische Mittelpunkt Lippes liegen, berechnet im Jahr 2000 durch die Hörer einer Aktion des Senders Radio Lippe. Es wurde daraufhin ein Baum vom damaligen Landrat Heuwinkel und dem Leiter des Katasteramtes Peters an dieser Stelle im Garten des Gasthauses ‘Zur Ortmühle’ gepflanzt, versehen mit einem polierten Schild. Dieses fotografiere ich noch schnell, dann gehts aber in die gemütliche Gaststube, wo wir uns nach einigem Hin und Her auf der Speisenkarte (hier wird noch die rustikale lippische Küche von Wurstebrei über Pickert feilgeboten) für eine rustikale Brotzeit entscheiden. Und ein Bierchen.

Bis Weihnachten ist’s schließlich noch ein bisschen hin…

 

Mehr Info zur Routenplanung und Gastronomie gibt es z.B unter

http://www.wanderregion-nordlippe.de/de/wanderwege/mehrtagestouren/runenweg.php

Auf Lippes höchstem Gipfel

Gipfelglück

In die `Berge’ zieht es den getreuen Drahthaar und mich auf dieser Wanderung. Nein, nicht nach Österreich oder Oberbayern. Sondern an die südöstliche Grenze Lippes, und gleichzeitig auf den höchsten Gipfel unserer Region.

Meinem gefährlichen  Halbwissen aus dem gelb roten Schulbuch ‘Unsere lippische Heimat’ traue ich nach so vielen Jahren nicht wirklich und so bemühe ich Wikipedia: “..Der Köterberg, früher auch Keutersberg genannt, ist mit 495,8 m ü. NHN der höchste Berg im Mittelteil des im Weserbergland auf der Grenze von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gelegenen Lipper Berglandes…”

Zu Fuss war ich dort noch nie, die Aussichten locken (bei klarer Sicht erkennt man das Eggegebirge, den Habichtswald, den Teutoburger Wald und sogar den Harz), das Wetter meint es gut mit uns, also beginnen wir unseren Ausflug in Blomberg unter der Burg.

Dort fallen mir einige in Kochjacken gewandete Gestalten in einem kleinen Weinberg auf. Es handelt sich um die ‘Lippischen Land-Wirte’, einem Zusammenschluss verschiedener Gastronomen, welche sich dem regionalen und nachhaltigen Genuss verschrieben haben und die hier über ihr neues Projekt beraten. Ihr freundliches Angebot, vom mitgebrachten Weisswein zu kosten, lehne ich verantwortungsbewusst ab – der Weg ist noch zu lang. 

Vorbei an den Phoenix Betriebsanlagen verlasse ich Blomberg in Richtung Schieder, nach 90 Minuten erreiche ich das Freizeitzentrum und geniesse bei einer Schorle den Blick auf den See. 

War der Weg bisher recht eben, so geht es ab jetzt über Schwalenberg und Rischenau stetig bergan. In der Malerstadt Schwalenberg bewundere ich einige Denkmäler und die gut erhaltenen Fachwerkhäuser, später wird mein inneres Schweinchen Schlau mit dem Wissen der Informationsschilder auf einem Waldlehrpfad gefüttert. 

Mittlerweile ist es ziemlich warm und in Rischenau lerne ich lippische Gastfreundschaft kennen. In einer Hauseinfahrt fragt mich eine Frau nach meinem Ziel, und mit den ermunternden Worten „…och, das is aber noch nen ganzes Eck!“ stellt sie dem Drahthaar eine Schüssel frisches Wasser hin, und bittet mich, auf einem Gartenbänkchen Platz zu nehmen.

Nach einem kurzen Schnack (der Hund hat das Wasser trotzig abgelehnt, aber zur Kühlung von mir über den Nacken geschüttet bekommen) nehmen wir die letzten Kilometer in Angriff. Durch den Wald erklimmen wir Höhenmeter um Höhenmeter, bald erreichen wir die ersten Windräder und etwas später das Dorf Köterberg, hier müssen wir ein paar hundert Meter an der Strasse entlang gehen. Über Jahre hinweg gab es Ärger wegen des Lärms der meist motorisierten Besucher des Köterbergipfels, am heutigen Tag  allerdings halten sich die uns überholenden Motorradfahrer an die auf zahlreichen Schildern erbetene Geschwindigkeitsbegrenzung.

Meine App zeigt nur noch 900 Meter bis zum Ziel an, die haben es allerdings die Steigung betreffend in sich. Schnaufend werfe ich mich endlich ins Gras neben dem Köterberghaus (auf den Rastbänken räkeln sich ja die Moped-und Busfahrtouristen), wenig später kann ich leidlich bei Atem die großartige Aussicht vom Gipfel in alle Richtungen genießen.

Der getreue Drahthaar tollt mit dem Haushund herum als wäre er nicht stundenlang unterwegs gewesen, und auch ich bin nach zwei eiskalten Colagetränken wieder bei Kräften. 

Eine telefonische Anfrage tags zuvor betreff einer Übernachtung im Köterberghaus wurde freundlich, aber bestimmt, abgewiesen – gern hätte ich den Sonnenunter- und aufgang über dem Weserbergland fotografiert. Da auch der öffentliche Nahverkehr nicht wirklich gut ausgebaut ist, holt uns unsere liebenswerte Nachbarin aus Lemgo ab. Wenig später  springt der Hund in den Heckraum des Autos, für mich findet sich auch noch ein Plätzchen und müde fahren wir heim – nicht ohne von der nächsten Wanderung im ‘Lippsken’ zu träumen…

Unterwegs mit Lippe Qualität

Lipper lieben Qualität

Machen wir uns nichts vor, wir werden alle nicht jünger. Mal zieht es im Rücken, dann zwickt es am Knie, darum – und weil es heute richtig viel zu sehen gibt – wandert Micha  mit dem Bus durchs Lipperland.

Nicht erst seit Greta beschäftigt mich die Frage nach dem ‘richtigen’ Leben. Wie soll man reisen, was soll man essen, und wo soll man das kaufen? Wenigstens auf die letzte Frage verspreche ich mir eine Antwort, als ich mich bei für eine ‘Lippequalität’ Busfahrt anmelde.

‘Lippequalität’, das ist eine 2002 gegründete Regionalinitiative, welche sich als Lobby für regionale Wirtschaftskreisläufe versteht: auf lippischen Feldern wächst das Getreide, dass dann in lippischen Mühlen verarbeitet und für Kunden aus der Region in lippischen Bäckereien zu Brot verbacken wird. Dabei sind hohe Qualitätsstandards zu erfüllen, kurze Transportwege und regionale Wertschöpfung stehen im Vordergrund.  Mittlerweile hat sich das Sortiment über Molkereiprodukte, Obst und Gemüse, Säfte, Fleisch- und Wurstwaren, Aufstriche, Kartoffeln und Eier über nahezu alle Grundnahrungsmittel erweitert, und einige dieser angeschlossenen Betriebe besuchen wir heute.

Am Einstiegspunkt in Lage begrüßt uns um kurz nach 8 Uhr der stellvertretende Vorsitzende Herr Puzberg, er wird uns heute freundlich, aber bestimmt, durch den Tag führen.

Unser erstes Ziel ist der ‘Biohof Brinkmann’ in Lage-Hagen, Familie Brinkmann führt uns durch den Unverpackt-Bioladen und das Bio-Café, wir dürfen frisches selbst gebackenes Brot und Aufstriche kosten, während wir z.B. etwas über die verschiedenen Getreidesorten erfahren. Das Sortiment ist reichhaltig, der Hof strahlt Gemütlichkeit aus und die Gastgeber sind herzlich. Hier kann man vegan/vegetarisch frühstücken, zu Mittag essen oder Kaffee und Kuchen genießen, selbst Urlaub in einem komfortabel umgebauten Bauwagen ist möglich. Die ganze Familie hilft, selbst der kleine Fiete betreut schon seinen Kräuterstand…

Herr Puzberg mahnt zum Aufbruch, während er uns noch einige Informationen zur Initiative gibt, fahren wir schon auf den Kundenparkplatz der ‘Lagenser Fruchtsäfte’. Wie wir von Geschäftsführer Axel Koch erfahren, gibt es hier die Möglichkeit, Äpfel und Birnen anzuliefern, diese werden später in Glasflaschen abgefüllt. Glas ist aus ökologischer Sicht ideal als Verpackung, es nimmt keine Farbstoffe an, ist geruchsneutral und wird nach ca. 40 Befüllungen wieder recycelt. In der Verarbeitung von Rhabarber nimmt das Unternehmen deutschlandweit eine führende Rolle ein, alle Säfte sind übrigens vegan und frei von Konservierungsstoffen. Freitags und Samstags kann im Direktvertrieb der Saft probiert und in Mix Kisten individuell zusammengestellt werden.

Die ‘Molkerei auf dem Meierhof’ der Stiftung Eben Ezer in Lemgo ist seit kurzem Sitz der Lippe Regional gGmbH, deren Ziel es ist, möglichst viele Produkte der Lippe Qualität Betriebe gebündelt in die heimischen Märkte wie z.B. REWE, Edeka oder Combi zu liefern. Die traditionell pasteurisierten Produkte der Hofmolkerei unterscheiden sich von vergleichbaren Produkten in ihrer Frische: durch die Hofverarbeitung und regionale Direktauslieferung gewinnt man hier 2-3 Tage. Im übrigen ist die Lippe Regional gGmbH ein Inklusionsbetrieb und beschäftigt sozialversicherungspflichtig rund die Hälfte der Mitarbeiter*innen mit einer anerkannten Behinderung oder Gleichstellung.

Der Magen meldet sich: Zeit für das Mittagessen, natürlich aus Produkten der Region zubereitet. Thomas Arndt-Duprée fühlt sich in seinem ‘Bergkrug Vossheide’ der klassischen Wirtshauskultur verpflichtet, er kocht und ist Gastgeber mit Herz und Seele. Auf den Teller kommen heute ein Schweinebraten, Kartoffeln, Kräuterseitlinge und ein gedünsteter Pastinaken-Möhren Mix, zum Nachtisch die ersten Freiland Erdbeeren mit Sahne, alles aus Lippe Qualität – und das schmeckt man auch…

In den lippischen Nordosten, nach Meierberg im Extertal werden wir danach gefahren, zu dem ‘Biolandhof Flötotto’. Dort führen Andrea und Andreas ihre Hofkäserei in handwerklicher Tradition; Joghurt, Frisch- und Weichkäse, handgeschöpfter Quark und der Meierberger Hofkäse werden dort und auf den Wochenmärkten in Bielefeld und Detmold angeboten. Zum Einsatz kommt die Milch der eigenen Ziegen, Schafe und Kühe. Auch um die Nachzucht wird sich gekümmert, Zicklein, Lämmer, Kälber und Ferkel werden zu Fleisch- und Wurstwaren in bester Bio Qualität verarbeitet – bewusst hat man sich für eine kleine Anzahl an Tieren entschieden.

Der Ausflug neigt sich dem Ende zu, auf dem Rückweg besuchen wir noch die Gutshof Brennerei im Begatal’. Friedhelm Begemann und seine Söhne Fabius und Falk bewirtschaften die Brennerei in der liebevoll restaurierten Fachwerkscheune mit angeschlossener Gartenwirtschaft. Mit Leib und Seele arbeiten die drei Begemänner täglich auf den Streuobstwiesen, auf dem Hof und am Brennkessel, Friedhelms Frau Antje hält im Hintergrund alles zusammen. Nachhaltigkeit liegt der Familie am Herzen, für jede 6. Flasche Gin, Wacholder oder Obstbrand wird wahlweise eine Eiche, ein Obstbaum alter Sorte oder Wacholderstrauch gepflanzt. In dem über die lippischen Grenzen hinaus bekannten doppelt gebrannten BeGINman findet man/frau 28 Kräuter aus der Region, der Himbeergeist wird mit einer Auswahl feinster Himbeersorten aus dem Lipperland in Kupferbottichen hergestellt.

Da die Familie Begemann nicht nur herzlich, sondern auch großzügig ist, sinniere ich bei zwei bis drei Obstlern über den bisherigen Tag: das unter dem Dach Lippe Qualität so viele mit Herzblut hergestellte Produkte nahe meines Lebensmittelpunktes verfügbar sind, war mir nicht bewusst. Das werde ich künftig unterstützen, vielleicht nicht täglich, aber sicher regelmäßiger als bisher.

Infokasten

Mehr Informationen zu Lippequalität findet man unter www.lippequalitaet.de

Eine weitere Busfahrt zu angeschlossenen Betrieben findet am 19.Juli statt.

 

Championat der Berufsreiter

Gestern besuchte ich bei Kälte und Wind den Sielpark in Bad Oeynhausen, dort richtet der Reit- und Voltigierverein Bad Oeynhausen vom 11. – 14. April das Deutsche Championat der Berufsreiter aus.

 

Anreise Hamburg

Bevor es morgen auf große Fahrt geht, habe ich noch zwei Termine. Beide verlaufen sehr angenehm und ich habe noch die Zeit, einige Einstellungen an meiner Kamera für den aktuellen Auftrag zu testen.

Auf dem Rückweg zum Hotel mache ich Rast in einer Kneipe am Spielbudenplatz nahe der Davidswache. Von meinem Platz aus sehe ich durch ein Fenster in der Bar nebenan einige Menschen in Hasenkostümen; natürlich mache ich mich lustig über die ausufernden Junggesellen Abschiede. Die Bedienung stutzt kurz und klärt mich auf: dort wo ich Sodom und Gomorrha vermute, findet ein Kindertheater statt…

Ich verleihe mir selbst den goldenen Blödmann, begebe mich zum Hotel und gelobe Besserung.

 

33 km rund um Lemgo – der Landwehrweg

Für da LiMa (Lippe Magazin) bin ich den Landwehrweg aktuell abgelaufen, hier schon mal ein paar Fotos vorab, ein Bericht folgt noch…